Das Jahr 1910

Berlin wurde international immer mehr zu einem der wichtigsten Zentren der Moderne. Gleichzeitig wuchs das soziale Elend und der Militarismus. Mitten in diese Melange hinein platzte der Moabiter Aufstand, der Tote und Verletzte forderte. Auf einen Streik der Kohlearbeiter für höheren Lohn und niedrige Arbeitszeiten reagierte die Firma Kupfer & Co. mit Streikbrechern und einem Einsatz der Polizei. Die Lage eskalierte, es kam zu Gewaltausbrüchen. Bis zu 30.000 Menschen solidarisierten sich mit den Arbeitern, der Reichskanzler persönlich ließ die Zahl der eingesetzten Polizisten auf 1.000 erhöhen. Arbeiter und Angestellte vieler Betriebe solidarisierten sich mit den Streikenden. Doch nach zehn Tagen war der Aufstand niedergeschlagen, durch Schüsse der Polizei gab es zwei Tote und 150 Verletzte.

Was sonst noch geschah:

1. Januar 1910
Eröffnung der Flachbahn (Straßenbahn) durch die Hochbahngesellschaft. Sie führte von der Warschauer Brücke zum Bahnhof Frankfurter Allee.

6. März 1910
Da die für diesen Tag geplante Wahlrechts-Demonstration im Treptower Park verboten worden war, fand sie stattdessen im Tiergarten statt. Offiziell als Spaziergang bezeichnet, demonstrierten 150.000 Menschen, um gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht zu protestieren und ein freies, gleiches und geheimes Wahlrecht zu fordern.

1. Mai 1910
Der Bahnhof Frohnau wurde dem Verkehr übergeben.

10. Mai 1910
Während der Flugwoche in Johannisthal startete erstmals ein deutscher Doppeldecker.

24. Mai 1910
Das Botanische Museum in Dahlem wurde während eines Internationalen Botaniker-Kongresses eingeweiht.

10. Juni 1910
Auf dem Gelände des Invalidenhauses an Ecke Invalidenstraße / Scharnhorststraße in Mitte wurde der Neubau der Kaiser-Wilhelm-Akademie für das militär-medizinische Bildungswesen seiner Bestimmung übergeben. Später befand sich darin das Oberste Gericht der DDR sowie die Staatsanwaltschaft Berlin. Seit dem Jahr 2000 ist es Teil des Bundesministeriums für Wirtschaft.

1. Juli 1910
Eröffnung der Bahnstrecke Rixdorf (später Neukölln) – Baumschulenweg.

4. Juli 1910
Am Sophie-Charlotte-Platz in Charlottenburg wurde die große Polizeidirektion in Betrieb genommen.

15. Juli 1910
Eröffnung des Vorortbahnhofs Spandau (später: Spandau West).

2. September 1910
Das Reichsmilitärgericht in der Charlottenburger Witzlebenstraße wurde in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. seiner Bestimmung übergeben.

19. bis 27. September 1910
Beginn des Moabiter Aufstands: Arbeiter verschiedener Moabiter Betriebe schlossen sich dem Streik der Kohlenarbeiter und Kutscher an. Polizeipräsident Traugott von Jagow erteilte den Schießbefehl. 150 Schwerverletzte mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden.

1. Oktober 1910
Nach 41 Jahren schloss das weltweit größte Aquarium Unter den Linden in Mitte.

1. November 1910
Eröffnung des S‑Bahnhofs Hohenzollerndamm in Wilmersdorf.

17. November 1910
An der Potsdamer Straße in Schöneberg wurde der Sportpalast als größter Eispalast der Welt feierlich eröffnet. Er entwickelte sich zu einem Zentrum für Sport-, Eislauf- und politische Veranstaltungen.

1. Dezember 1910
Eröffnung der Schöneberger U-Bahn Nollendorfplatz – Hauptstraße (heute: Innsbrucker Platz) mit den Stationen Viktoria-Luise-Platz, Bayerischer Platz und Stadtpark (heute: Rathaus Schöneberg).

17. Dezember 1910
Die Vereinsbrauerei Rixdorf zahlreicher Berliner Gastwirte benannte sich nach ihrem erfolgreichsten Produkt in Berliner Kindl um.



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