Das Jahr 1911

Mit der Gründung des ersten Pfadfinderbunds im Januar begann in Berlin die Bewegung der Pfadfinder in ganz Deutschland. Er wurde schnell zu einer Massenorganisation mit bis zu 90.000 Mitgliedern und prägte die frühe deutsche Pfadfinderbewegung entscheidend. Anfangs war der Bund noch sehr militärisch geprägt und wollte Kinder und Jugendliche an „preußische Tugenden“ heranführen. Später entwickelten sich daraus auch unabhängige Gruppen wie die der Wandervogel-Bewegung, die teilweise nationalistisch geprägt waren. Während der NS-Zeit existierten in Berlin auch illegale Jugendgruppen, die sich in der Tradition der unter den Nazis verbotenen Pfadfinder sahen.

Was sonst noch geschah:

18. Januar 1911
Gründung des Deutschen Pfadfinderbunds (DPB).

23. Januar 1911
Vom Luftschiffhafen Karlshorst begann der erste Flug der 118 Meter langen SSL 1. Es war damals das schnellste Luftschiff überhaupt.

18. Februar 1911
Die 1785 gegründete Königlich privilegirte Berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen änderte ihren Namen in Vossische Zeitung. Im Volksmund hieß sie oft „Tante Voß“ oder auch „die Tante“.

11. März 1911
Beschlagnahmung des bereits in Druck befindlichen Jahrbuchs der Millionäre. Begründet wurde sie damit, dass das Material über Vermögen und Einkommen der 8.300 preußischen Millionäre durch Bestechung erlangt wurde.

24. März 1911
Um Mitternacht erfolgte der Start zum ersten Sechstagerennen im Schöneberger Sportpalast. Den Rennen der ersten Nacht schauten bis zu 6.000 Besucher zu.

1. April 1911
Eröffnung der ersten Internationalen Ausstellung für Reise- und Fremdenverkehr in den Ausstellungshallen am Zoologischen Garten.

3. April 1911
Grundsteinlegung für das neue Rathaus Spandau. Überliefert ist der Ausspruch des Stadtrats und Maurermeisters Emil Müller: „Mög‘ schützen uns des Kaisers Hand vor Groß-Berlin und Zweckverband“. Keine zehn Jahre später wurde Spandau jedoch trotzdem nach Berlin eingemeindet.

6. April 1911
Fuhrunternehmer erhielten die Zulassung einer Kraftdroschke, wenn sie dafür zehn Pferdedroschken aus dem Verkehr zogen.

11. Mai 1911
Mit Hans Bock forderte der Motorflug auf dem Flugfeld Johannisthal sein erstes Todesopfer.

1. Juni 1911
Inbetriebnahme des Spandauer Südhafens, dem ersten Hafen der Stadt mit eigenem Gleisanschluss.

19. Juli 1911
Der Preußische Landtag beschloss den Zweckverband Groß-Berlin. Zu ihm gehörten die sieben Stadtkreise Berlin, Charlottenburg, Schöneberg, Neukölln, Wilmersdorf, Lichtenberg und Spandau sowie die Landkreise Niederbarnim und Teltow.

3. September 1911
Im Treptower Park versammelten sich auf der großen Festwiese 200.000 Berliner aller Bevölkerungsschichten zu einer gewaltigen Friedensdemonstration. Auf zehn Tribünen sprachen 20 Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre, darunter auch Karl Liebknecht. Zu der bis dahin größten Antikriegskundgebung in Deutschland hatte die SPD aufgerufen.

14. September 1911
Erstmals wurde in Berlin die Feuerbestattung von Gestorbenen gestattet.

12. Oktober 1911
Eröffnung der ersten Internationalen Automobil-Ausstellung.

29. Oktober 1911
Einweihung des Stadthauses von Ludwig Hoffmann in der Klosterstraße in Mitte.

2. Dezember 1911
Das Warenhaus Wertheim in der Königstraße (heute: Rathausstraße) in Mitte wurde eröffnet.

24. Dezember 1911
Innerhalb weniger Stunden starben im Prenzlauer Berg 71 Menschen an einer Methylalkoholvergiftung, über 100 weitere Personen mussten mit schweren gesundheitlichen Schäden in Krankenhäuser eingeliefert werden. Ein Großteil der Opfer waren Besucher des Obdachlosenasyls Die Palme in der Fröbelstraße. Der Alkohol war vom Drogisten Julius Scharmach verkauft worden, der Alkoholika mit Methylalkohol gestreckt hatte. Er wurde kurz danach verhaftet und im Mai 1912 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Noch heute erinnert vor Ort eine Gedenktafel an die Opfer.



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