Das Jahr 1912

In diesem Jahr trat das 1911 vom Preußischen Abgeordnetenhaus beschlossene Gesetz über die Bildung eines Zweckverbands Groß-Berlin in Kraft. Der Verband vereinigte Berlin auf kommunaler Ebene mit den umliegenden Städten Charlottenburg, Schöneberg, Neukölln, Wilmersdorf, Lichtenberg und Spandau sowie mit Teilen der Landkreise Teltow und Niederbarnim. Außer Spandau, Charlottenburg und Neukölln stellten alle Vororte ihrem Namen die Bezeichnung Berlin voran. Die neue Verwaltungsorganisation Groß-Berlin erreichte damit eine Einwohnerzahl von 4,1 Millionen und bereitete die Bildung der Stadt Groß-Berlin von 1920 vor.
Mit Inkrafttreten des Zweckverband-Gesetzes begann auch die Vereinheitlichung des Straßenbahnnetzes in der Region. Bis 1920 wurden die Berliner Straßenbahngesellschaften und die der Vororte zur Berliner Straßenbahn zusammengefasst.

Was sonst noch geschah:

12. Januar 1912
Bei den Reichstagswahlen erhielten die Sozialdemokraten in den acht Großberliner Wahlkreisen über 75 Prozent der Stimmen und sieben der acht möglichen Mandate.

27. Januar 1912
Die Gemeinde Rixdorf erhielt von Kaiser Wilhelm II. die Genehmigung, sich fortan Neukölln zu nennen. Rixdorf hatte zu diesem Zeitpunkt einen schlechten Ruf. Der neue Name bezog sich auf die alte Stadt Cölln, die mittlerweile in Berlin aufgegangen war.

28. Januar 1912
Gründung des Deutschen Wehrvereins. Er hatte das Ziel, die Bevölkerung „wehrhaft“ zu machen und Kriegsbegeisterung zu wecken.

27. März 1912
Während der Bauarbeiten der U‑Bahn brach die Spree an der Wallstraße in Mitte in den noch nicht fertiggestellten Tunnel ein. Die U‑Bahn-Strecke wurde bis zum Potsdamer Platz überschwemmt.

1. April 1912
Das Gesetz über die Bildung des Zweckverbandes Groß-Berlin trat in Kraft. Der Zweckverband erreichte eine Einwohnerzahl von 4,1 Millionen und bereitete die Bildung der Stadt Groß-Berlin von 1920 vor.

26. Mai 1912
In Rahnsdorf wurde das Freibad am Müggelsee der Öffentlichkeit übergeben. Bereits im Eröffnungsjahr wurden über 170.000 Besucher gezählt.

27. Juni 1912
Bei einem Großbrand wurde ein großer Teil der historischen Humboldt-Mühle in Tegel zerstört.

29. Juni 1912
Die Putlitzbrücke, die Moabit mit dem Wedding verbindet, wurde dem Verkehr übergeben.

9. Juli 1912
Erstmalig konnte eine Opernvorstellung aus dem Opernhaus Berlin telefonisch in die Wohnung des Kronprinzenehepaares in Danzig übertragen werden.

26. August 1912
In Charlottenburg wurden die Synagogen in der Pestalozzistraße sowie in der Fasanenstraße eingeweiht. Fünf Tage später besuchte Kaiser Wilhelm II. das Gotteshaus in der Fasanenstraße und bewunderte besonders den Trausaal mit den von ihm gestifteten Kacheln.

20. Oktober 1912
Bei einer Massendemonstration gegen den Balkankrieg verlangten 250.000 Berliner, dass sich die deutsche Regierung aus den Auseinandersetzungen heraushält.

24. Oktober 1912
Im Zuge der Fleischnot kam es in Berlin zu schweren Hungerkrawallen. An diesem Tag stürmten rund 2.000 Frauen, bedingt durch explodierende Lebensmittelpreise und Massenarmut, die Verkaufsstände der Markthalle in der Reinickendorfer Straße im Wedding. Sie vertrieben die Händler und bewarfen die anrückende Polizei mit Fleisch und Lebensmitteln.

26. Oktober 1912
Eröffnung der neuen Universitäts-Zahnklinik in der Invalidenstraße 87-89 in Mitte.

24. November 1912
Inbetriebnahme des ersten Berliner Krematoriums in der Gerichtstraße im Wedding. Vier Tage später fand dort die erste Feuerbestattung in Berlin statt. Verbrannt wurde der Körper von Johanna Ahrend aus Schöneberg, laut Sterberegister jüdischen Glaubens.

7. Dezember 1912
Einweihung des Deutschen Opernhauses in der Bismarckstraße in Charlottenburg.

7. Dezember 1912
Bei Ausgrabungen im altägyptischen Tell El-Amarna stießen deutsche Archäologen auf eine 48 cm hohe bemalte Kalksteinbüste der ägyptischen Königin Nofretete. Sie wurde 1913 nach Berlin gebracht, aber erst ab 1924 im Ägyptischen Museum ausgestellt.



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