1913 war das letzte, von vielen als „Normaljahr“ verklärte Vorkriegsjahr vor dem Ersten Weltkrieg. Die Stadt erlebte einen massiven wirtschaftlichen Aufschwung, der von rasanter Urbanisierung, kulturellen Höhepunkten, spektakulären Sportbauten und staatlicher Überwachung geprägt war.
Im Sommer wurde das Deutsche Stadion nach nur neun Monaten Bauzeit eröffnet. Dazu gab es eine dreistündige Feier anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums Kaiser Wilhelms II. Das nach Plänen von Otto March erbaute Stadion hatte 30.000 Plätze. Allerdings war ihm kein langes Leben beschert: Nur 21 Jahre später wurde es abgerissen, um an gleicher Stelle das Olympiastadion zu errichten.
Was sonst noch geschah:
6. März 1913
Aus Anlass des Besuchs des bayerischen Prinzregenten Ludwig wurde erstmals die neue Stadtflagge mit den Farben Rot-Weiß-Rot und dem Berliner Bären auf dem Rathaus gehisst.
6. März 1913
Die Stadtverordnetenversammlung beschloss mit knapper Mehrheit die Biersteuer und Lustbarkeitssteuer.
15. März 1913
Auf ihrem Parteitag in Berlin erklärten die Deutsch-Konservativen die Bekämpfung der Sozialdemokratie zum vorrangigen Ziel der Partei.
18. März 1913
Am Kurfürstendamm öffnete das wegen seiner pompösen Einrichtung Marmorhaus genannte Kino.
9. April 1913
In Mariendorf wurde die Trabrennbahn in Betrieb genommen. Sie galt als modernste in ganz Deutschland.
14. April 1913
Auslieferung der ersten elektrischen Lokomotive für den Postgüterbahnhof in der Luckenwalder Straße durch die AEG.
20. Mai 1913
Der britische König Georg V. und der russische Zar Nikolaus II. weilten als Gäste einer Hochzeit am deutschen Kaiserhof in Berlin. Es war das letzte große Treffen der europäischen Monarchen. Bald danach hetzten sie im Ersten Weltkrieg ihre Völker gegeneinander auf.
3. Juni 1913
Eröffnung der Friedhofs-Eisenbahn von Wannsee über Dreilinden nach Stahnsdorf. Dort befand sich der größte zu Berlin gehörige Friedhof.
8. Juni 1913
Einweihung des Deutschen Stadions, Vorläufer des Olympiastadions. Gleichzeitig konnte die U‑Bahn-Strecke vom Reichskanzlerplatz (heute: Theodor-Heuss-Platz) zum Stadion in Betrieb genommen werden.
15. Juni 1913
Zum 25. Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser Wilhelms II. wurde der von Stadtbaurat Ludwig Hoffmann entworfene Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain übergeben.
18. Juni 1913
Inbetriebnahme des zweiten Berliner Krematoriums am Friedhof an der Kiefholzstraße in Baumschulenweg.
1. Juli 1913
Die rund 1,3 km lange U-Bahn-Verlängerungsstrecke Spittelmarkt – Alexanderplatz erhielt drei neue Stationen: Inselbrücke (Märkisches Museum), Klosterstraße und Alexanderplatz. Am 27. Juli folgte die Verlängerung vom Alex zum Nordring (Schönhauser Allee).
18. August 1913
Eröffnung des Aquariums am Zoologischen Garten. Es ersetzte das 1910 geschlossene Aquarium in Mitte, Unter den Linden.
18. September 1913
Einweihung des Kammergerichts am Heinrich-von-Kleist-Park in Schöneberg.
28. September 1913
Einweihung des Osthafens. Zur Eröffnungsfeier kamen auf Dampfschiffen 700 Ehrengäste, darunter Minister, der Reichstagspräsident und der gesamte Magistrat. Drei Tage später erfolgte die offizielle Inbetriebnahme des Osthafens. Der Bau kostete 17,3 Millionen Mark.
12. Oktober 1913
Inbetriebnahme des U‑Bahn-Teilstücks Wittenbergplatz – Thielplatz. Außerdem der Abschnitt Wittenbergplatz – Uhlandstraße.
Parallel dazu wurde die Wilmersdorfer U‑Bahn, bislang von der Gemeinde Wilmersdorf betrieben, von der Berliner Gesellschaft für Elektrische Hoch- und Untergrundbahnen übernommen.
17. Oktober 1913
Auf dem Flugfeld Johannisthal explodierte der Zeppelin LZ 18 der Marine in der Luft, 28 Menschen kamen ums Leben. Andere Quellen sprachen von 42 Toten.
24. November 1913
Das Berliner Verlagshaus Ullstein & Co. kaufte für fünfeinhalb Millionen Mark die bisher in Familienbesitz befindliche Berliner Tageszeitung Vossische Zeitung.


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