Im Sommer begann eines der schlimmsten Kapitel in Europa: Der Weltkrieg, von dem man damals noch nicht als den „Ersten“ sprach. Ein lokales Attentat in Sarajevo traf auf ein bereits hochexplosives Europa. Nationalismus, Militarismus, imperialistische Rivalitäten und starre Bündnisse sorgten dafür, dass aus einem regionalen Konflikt ein globaler Krieg wurde. Die Kriegserklärung und die folgende Mobilmachung traf in der Bevölkerung auf breite Zustimmung.
Kaiser Wilhelm II. unterzeichnete im Schloss den Befehl zur vollständigen Mobilmachung. Dieser wurde vor dem Stadtschloss und Unter den Linden verkündet. Die Mobilmachung trat am 2. August in Kraft. Über 40.000 Berliner meldeten sich in den ersten Kriegstagen freiwillig, zusätzlich zu den Wehrpflichtigen. Viele Tausend von ihnen kehrten nie wieder zurück.
Was sonst noch geschah:
1. Januar 1914
Gründung der ersten Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin durch den Zusammenschluss von 39 Krankenkassen.
30. Januar 1914
In Berlin wurde Fuhrunternehmern die Erlaubnis zum Betreiben von jeweils einer elektrischen Kraftdroschke erteilt, wenn sie dafür zwei Pferdedroschken abstießen.
26. Februar 1914
Bei der Explosion in einer Rummelsburger Chemiefabrik kamen zehn Menschen ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
22. März 1914
Einweihung des Neubaus für die Akademie der Wissenschaften, der Staats- und der Universitäts-Bibliothek durch Kaiser Wilhelm II. Die Königliche Bibliothek zog aus der Kommode am Opernplatz (heute: Bebelplatz) in das neue Gebäude Unter den Linden um.
1. April 1914
Der Physiker Albert Einstein übernahm die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physik. Außerdem trat er seine Stelle als hauptamtliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften an. Einstein wohnte bis zu seiner Emigration 1933 in Berlin.
7. April 1914
Eröffnung der Synagoge Levetzowstraße in Moabit. Zur Synagoge gehörten eine Religionsschule und ein Gemeindezentrum, das erst 1919 fertiggestellt wurde, sowie eine zweite Synagoge für die Wochentage.
10. Mai 1914
In der Neuköllner Ganghoferstraße wurde das Stadtbad eingeweiht. Neben Reinigungsbädern und medizinischen Bädern gab es zwei Schwimmhallen (zur Trennung der Geschlechter) im Stil antiker Tempel.
27. Mai 1914
In Anwesenheit von Kaiserin Auguste Viktoria wurde die orthopädische Klinik Oskar-Helene-Heim in Dahlem eingeweiht. Sie entwickelte sich zu einem Zentrum für orthopädische Forschung.
17. Juni 1914
Feierliche Eröffnung des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. Er erhielt den Namen Hohenzollern-Kanal.
22. Juni 1914
Im Wedding wurde das Jüdische Krankenhaus eingeweiht. Er ersetzte das erste Krankenhaus in der Auguststraße in Mitte.
31. Juli 1914
Kaiser Wilhelm II. ließ durch einen Offizier Unter den Linden den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ verkünden. In diesem Zusammenhang wurde über Berlin der Belagerungszustand verhängt.
1. August 1914
Deutsche Generalmobilmachung und Kriegserklärung an Russland. Kaiser Wilhelm II. unterzeichnete im Stadtschloss den Befehl zur vollständigen Mobilmachung. Beginn des Ersten Weltkriegs.
3. August 1914
Aus Personalmangel infolge des begonnenen Krieges beschränkte die Berliner Post die seit 1877 übliche Paketausfahrt von dreimal täglich auf einmal am Tag.
4. August 1914
In Berlin genehmigte der Reichstag die Kriegsvorlagen.
12. August 1914
Wegen Beschlagnahmung der Fahrzeuge für Militärzwecke musste die Hochbahn-Omnibus-Gesellschaft ihren Betrieb einstellen.
1. Oktober 1914
In Berliner Kinos wurde die erste Film-Wochenschau nach französischem Vorbild gezeigt.
26. Oktober 1914
Inbetriebnahme der 12 Kilometer langen Neuköllner Hafenbahn (später: Industriebahn).
1. Dezember 1914
Eröffnung des Krankenhauses der Stadt Berlin-Lichtenberg (ab 1933 Oskar-Ziethen-Krankenhaus).
2. Dezember 1914
Abstimmung über die Bewilligung der Kriegskredite über 5 Milliarden Reichsmark für den Ersten Weltkrieg. Der SPD-Abgeordnete Karl Liebknecht stimmte als einziger dagegen.


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