Wohnen statt Industrie

Moabit ist historisch ein Stadtteil, in dem Wohngebiete und Industriebetriebe eng beieinander liegen. Bis heute stehen im Westen die einstigen Werke der AEG (heute Siemens Energy), Telefunken oder Loewe. Seit 1927 gehörte auch das Menzel Elektro-Motorenwerk dazu, seit 1958 direkt am Neuen Ufer gelegen. Auf der anderen Straßenseite fließt der Charlottenburger Verbindungskanal, die Grenze zu Charlottenburg.

Menzel stellt Elektromotoren in allen Größen her, die zum Beispiel in Kraftwerken in der ganzen Welt zum Einsatz kommen. Die Firma ist vor drei Jahren nach Hennigsdorf umgezogen und aus dem Grundstück wird nun ein neues Wohnviertel.

Rund 500 neue Wohnungen sollen dort nun entstehen, der Entwickler Bauwert hat dem Projekt den Namen „Moaville“ gegeben. Vorgesehen sind neben den Wohnungen auch Gewerbe, Handwerk, kreative Nutzungen, Nahversorgung, Gastronomie, eine Kita und öffentlich zugängliche Freiräume auf rund 80.000 Quadratmetern. 30 Prozent der Wohnungen sollen mietpreisgebunden sein.

Das Ensemble besteht vor allem aus zwei begrünten Hochhäusern, in denen 350 Eigentumswohnungen liegen werden. Eingebunden an historische Bestandsgebäude direkt an der Straße sollen 150 Mietwohnungen entstehen. Ein großer Gebäuderiegel entsteht im Blockinneren und ist für Gewerbebetriebe vorgesehen.

Die Website des Projekts überschlägt sich mit den üblichen Marketingfloskeln („Eine Idee wird Stadt“, „Vielfalt leben“, „Zukunft Raum geben“) sowie einem nichtssagenden Video, in dem vor allem Charlottenburg zu sehen ist. Interessant wird dieses Moaville nur, wenn wenigstens die Architektur tatsächlich so umgesetzt wird, wie sie auf der Website dargestellt wird. Trotz allem aber wird das Projekt weiter zur Gentrifizierung Moabits beitragen.

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