Zum Anschlag auf den CSD

Während der Abschlussparty des Christopher Street Days gab es vergangene Nacht im Tiergarten ein Attentat auf abziehende Teilnehmer. Gegen 22 Uhr fuhr der 21-jährige Islamist Abdul Ballout mit einem Lieferwagen vom Kemperplatz aus direkt in den Tiergarten. Dort wurden durch seine Amokfahrt eine Frau getötet sowie mehr als 20 weitere Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Der Täter konnte flüchten, wurde jedoch noch in der Nacht identifiziert und am nächsten Tag bei der Festnahme von der Polizei erschossen.

Dieser Anschlag zeigt erneut, wie Anhänger mit extremistischem Weltbild gegen Menschen vorgehen, deren Weltbild sie ablehnen. Doch es sind beileibe nicht nur islamistische Gruppen, die Gewalt gegen queere Menschen, Andersdenkende (oder angeblich „Ungläubige“) ausüben. Am selben Tag gab es nachmittags bereits eine Kundgebung neonazistischer Gruppen gegen den CSD. Während der Queer-Parade wurde an anderer Stelle aus einem Fenster mit einer Softair-Pistole auf TeilnehmerInnen geschossen. Und die AfD wettert seit Jahr und Tag gegen die queere Community.

Und weil die Rechte den Anschlag nun wieder für ihre rassistische Propaganda nutzt, ist eines klarzustellen: Es sind nicht „die“ Ausländer, Moslems oder Flüchtlinge, die den Anschlag verübt haben! Ja, es war ein Anhänger einer islamistischen Organisation. Mehrere hunderttausend Moslems aber leben friedlich in unserer Stadt und von denen geht keinerlei Gefahr aus. Natürlich gibt es dort auch Extremisten, doch deren Zahl ist verschwindend gering. So wie auch nicht alle Deutschen Nazis sind, sondern nur ein sehr kleiner Teil. Zu denen gehören die Neonazis, die schon oft Schwule und Lesben angegriffen und schwer verletzt haben. Und sie sind in Deutschland für wesentlich mehr Todesopfer verantwortlich, als muslimische Täter. In ihrer Ablehnung gegen andere Lebensentwürfe sind sie kein bisschen besser als der Attentäter von gestern Nacht. Die rechtsradikalen Medien und Parteien sollten mal schön ruhig sein, denn noch immer geht die größte Gefahr für die Demokratie von Rechtsextremisten aus!

Nicht viel anders auf der linken Seite: Zahlreiche Autonome und Konsorten haben sich dort in den vergangenen Monaten und Jahren mit der palästinensischen Hamas im Gazastreifen solidarisiert. Sie feiern sogar die Massaker der Hamas gegen Zivilisten am Oktober 2023. Ihren Antisemitismus verschleiern sie als Ablehnung der israelischen Regierung, in der auch Rechtsradikale sitzen. Gleichzeitig überfallen sie aber hier in Berlin erkennbare Juden, verprügeln sie in den Universitäten und auf der Straße, greifen Restaurants jüdischer Betreiber an. Damit treffen sie nicht den israelischen Staat, sondern einfach nur jüdische Menschen. Und in deren Ablehnung sind sie auf einer Ebene mit den Islamisten und Neonazis.

Das Problem sind nicht Schwule, Lesben, Juden oder Muslime. Das Problem sind rechte, linke und islamistische Extremisten, deren Menschenverachtung und Gewaltanwendung gegen alle, die „anders“ sind.

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