Das Jahr 1920

März 1920: Kapp-Putsch

Zwei große Ereignisse bestimmten das Jahr 1920 in Berlin: Die seit der Revolution bestehenden Kämpfe eskalierten im Januar und März bis zu einem Putschversuch, der jedoch durch die Bevölkerung gestoppt werden konnte. Dabei kam es zu zahlreichen Toten und Verletzten.

Wichtiger für die weitere Entwicklung war jedoch im Oktober die Gründung von Groß-Berlin durch die Integration zahlreicher Städte und Gemeinden. Dadurch wurde Berlin zur drittgrößten Stadt der Welt.

Was sonst noch geschah:

13. Januar 1920
Reichspräsident Friedrich Ebert erklärte den Ausnahmezustand. SPD-Reichswehrminister Gustav Noske übernahm aufgrund der Verfügung persönlich die Ausübung der vollziehenden Gewalt für Berlin und verbot alle Demonstrationen und Versammlungen.
Trotzdem sammelten sich rund 120.000 Menschen vor dem Reichstag, als die Polizei plötzlich Handgranaten und Gewehre gegen die Protestierer einsetzte. Die Demo der KPD und der USPD gegen ein neues Betriebsrätegesetz war bis zu diesem Zeitpunkt friedlich, abgesehen von den Angriffen einzelner Demonstranten. Am Ende waren 42 Menschen tot, mehr als 100 schwer verletzt. Es handelt sich damit bis heute um die opferreichste Demonstration der deutschen Geschichte.

11. März 1920
Der U‑Bahn-Streckenabschnitt vom Potsdamer Platz zum Zoologischen Garten wurde in Betrieb genommen.

13. März 1920
Kapp-Putsch: Freikorps besetzten das Regierungsviertel. Der von Wolfgang Kapp geführte Putsch war ein konterrevolutionärer Versuch, die nach der Novemberrevolution geschaffene Weimarer Republik zu zerstören. Er brachte das republikanische Deutsche Reich an den Rand eines Bürgerkrieges und zwang die sozialdemokratischen Mitglieder der Reichsregierung zeitweise zur Flucht aus Berlin.

14. März 1920
Der am Vortag ausgerufene Generalstreik gegen den Kapp-Putsch wurde befolgt: Fabriken, Straßenbahnen, Zeitungsdruckereien standen still, die Strom- , Gas- und Wasserversorgung war unterbrochen. Der Generalstreik breitete sich von Berlin auf die gesamte Republik aus.

15. März 1920
Während des Generalstreiks gegen den Kapp-Putsch kam es am Stettiner Bahnhof und am Potsdamer Platz zu schweren Auseinandersetzungen mit 15 Toten. Währenddessen schlossen sich auch die Beamten und Angestellten dem Streik an.

17. März 1920
Aufgrund des Generalstreiks brach der Putsch zusammen. Freikorpsangehörige wurden von Arbeitern durch die Straßen gejagt. Trotzdem gingen an manchen Orten die Kämpfe noch weiter.

18. März 1920
Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Arbeitern und dem Militär kam es am Kottbusser Tor zu 18 Toten. Am Brandenburger Tor wurden zwölf Menschen ebenfalls von Freikorps-Angehörigen erschossen.

19. März 1920
In Mitte, Moabit und Kreuzberg kam es erneut zu Zusammenstößen zwischen Arbeitern und Reichswehrsoldaten. In Kreuzberg Tor gab es 15 Tote. Die Freikorpssoldaten verließen die Innenstadt. Über Berlin wurde der verschärfte Belagerungszustand verhängt.

20. März 1920
Bei weiteren schweren Auseinandersetzungen kamen in Adlershof 20 Menschen ums Leben.

21. März 1920
Die Gewerkschaftskommission und Arbeitnehmerverbände verkündeten den Abbruch des Generalstreiks und forderten zur Wiederaufnahme der Arbeit auf.

22. März 1920
Noch immer gab es Streiks und Auseinandersetzungen. In Hennigsdorf wurden dabei 35 Arbeiter getötet, Altglienicke wurde von Reichswehrtruppen besetzt. Die meisten städtischen ArbeiterInnen und Angestellten nahmen jedoch die Arbeit wieder auf.

26. März 1920
Attentat auf den Freikorpsführer Heinz von Pflugk-Hartung. Dabei wurde er durch eine an seinem Wagen angebrachte Sprengladung getötet. Währenddessen floh Wolfgang Kapp nach Schweden.

30. März 1920
Nach tagelangen Gassperrungen gab es fünf Tote, als das Gas wieder strömte. Die Opfer hatten vergessen, die Leitungen wieder zu schließen.

10. April 1920
Bei einer Zirkusaufführung ließ sich ein Artist zwei Meter tief begraben, um sich selbst daraus zu befreien. Er überlebte die Aktion nicht.

15. April 1920
Der Ausschuss der Gewerkschaft Berlins und Umgebung beschloss, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu feiern.

27. April 1920
Nach fast einjähriger Vorbereitungszeit verabschiedete die Reichs-Landesversammlung das Gesetz der neuen Stadtgemeinde Berlin für die Schaffung von Groß-Berlin. Es trat am 1. Oktober in Kraft.

1. Mai 1920
Ein Eisenbahner-Streik legte den gesamten S‑Bahn-Verkehr lahm. Die U‑Bahn- und Omnibusfahrer schlossen sich der Aktion an.

15. Mai 1920
In Adlershof Eröffnung der ersten Sammelschule Berlins, in der es keinen Religionsunterricht mehr gab.

5. Juni 1920
Die von Raoul Hausmann und George Grosz initiierte Erste Internationale Dada-Messe provozierte die Öffentlichkeit.

22. Juli 1920
Aufgrund des Versailler Vertrags musste der Flugplatz Karlshorst stillgelegt werden.

1. Oktober 1920
Sieben umliegende Städte (Charlottenburg, Wilmersdorf, Schöneberg, Neukölln, Lichtenberg, Spandau und Köpenick), 59 Landgemeinden sowie 27 Gutsbezirke schlossen sich zu Groß-Berlin zusammen. Die Einwohnerzahl stieg dadurch schlagartig auf rund 3,8 Millionen.
Die Stadt mit nunmehr 878 Quadratkilometer Fläche wurde in 20 Bezirke eingeteilt. Berlin wurde zur Weltstadt und rückte nach London und New York zur drittgrößten Stadt der Welt auf.

28. Oktober 1920
Erstmals nach der Gründung der Gemeinde Groß-Berlin wählte die Stadtverordnetenversammlung einen Magistrat.

6. November 1920
Beginn eines Streiks der Arbeiter und Angestellten des Öffentlichen Dienstes. Da sich auch die Arbeiter der Elektrizitätswerke beteiligten, fiel der Strom für die Straßenbeleuchtung und der Straßenbahnen für fünf Tage aus.



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