Rassismus vor der Wahl

Dass es auch im angeblich so toleranten Berlin viele Menschen mit einem rassistischen Weltbild gibt, ist nicht neu. Trotzdem finde ich es immer wieder erschreckend, wenn er so offen auftritt wie in den letzten Tagen.

Da gibt es dieses temporäre Schwimmbad vor der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Bis Anfang Oktober können dort Menschen kostenlos baden gehen. Um bestimmten Vereinen die Möglichkeit zu geben, etwas zusammen zu unternehmen, sind an einigen Tagen zwischen 12 und 18 Uhr Slots extra dafür reserviert. So war es auch am vergangenen Freitag, als die wenigen Stunden Kindern und Jugendlichen aus dem Verein EOTO (Each One Teach One) zur Verfügung gestellt wurden. Dieser Verein setzt sich für die Interessen Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Menschen ein.

Doch kaum war diese Reservierung bekanntgeworden, brach ein Sturm der Entrüstung los. Die BILD behauptete, das Bad würde nicht mehr für alle offenstehen. Und natürlich stimmten die üblichen Verdächtigen mit ein. Die AFD-Chefin Alice Weidel sprach von „Apartheid“. CDU-Bezirkspolitikerin Aileen Weibeler beklagte ihre angebliche „Diskriminierung“. Andere ließen ihrem Rassismus noch freieren Lauf und bedrohten sowohl die Volksbühne, als auch den Verein EOTO.

Um die Kinder und Jugendlichen nicht zu gefährden, sagte die Volksbühne den Schwimmtag ab und stellte stattdessen ein großes Plakat mit „FICKT EUCH“ auf. So sehr diese Absage leider berechtigt ist, ist sie doch auch ein Erfolg für diejenigen, die gegen Schwarze und andere Minderheiten hetzen und sie bedrohen. Was das alles mit den betroffenen Kids macht, will man sich kaum ausmalen.

Rassismus trifft aber nicht nur schwarze Menschen. Um türkischstämmige WählerInnen zu erreichen, hängte der FDP-Politiker Batuhan Temiz in Lichtenberg Wahlplakate mit drei türkischen Wörtern auf „Berlin Temiz olsun“, auf deutsch: „Berlin sauber machen“. Auch über den Bundeswehroffizier und Arzt brach sofort ein Shitstorm herein, ihm wurde „Islamisierung“ vorgeworfen. Mit „scheiß turken“, „leckt denn Muslime denn Arsch ihr Huren“ und zahlreichen ähnlichen Kommentaren kotzen manchen ihren Hass gegen alle aus, die sie für nicht deutsch halten. Dabei wurde Temiz in Berlin geboren und spricht wesentlich besser deutsch, als diese Hetzer.

Dieser Rassismus ist etwas für Dummköpfe, die sich groß fühlen wollen und offensichtlich keine menschlichen Werte haben. Sie behaupten, das Christentum hochzuhalten, dabei war ihr Jesus ein Jude und dessen Eltern Migranten. Aber diesen Widerspruch begreifen sie nicht. Und auch nicht, dass es ihnen kein bisschen bessergehen würde, wenn alle angeblichen Nicht-Deutschen oder Nicht-Weißen unser Land verlassen würden.

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