Zwei Unglücke innerhalb von wenigen Tagen stachen 1922 hervor, beide hingen mittelbar zusammen.
Der Dienstag, 27. Juni 1922, war in Berlin der Tag der Trauerfeier und des Staatsakts für den drei Tage zuvor von Rechtsextremisten ermordeten Außenminister Walther Rathenau. Ihm zu Ehren hatten viele Gewerkschaften einen frühen Arbeitsschluss angeordnet. Ab dem Mittag fuhren keine U-Bahnen und Straßenbahnen mehr, die noch verkehrenden Züge der Ringbahn waren überfüllt. Viele Reisende fuhren unerlaubterweise stehend auf den außen liegenden Trittbrettern der damaligen Abteilwagen.
Kurz nach 13 Uhr fuhr im Bahnhof Gesundbrunnen ein Zug Richtung Schönhauser Allee ab. Einer der Passagiere hatte lange Gegenstände im Gepäck, vermutlich Holzstangen. Auf der Strecke zwischen Schönfließer Brücke und dem Bahnhof Schönhauser Allee begegnete der Zug der entgegenkommenden S-Bahn. In der dortigen Kurve gerieten die Holzstangen zu weit ins Gegengleis. Zahlreiche Passagiere auf den Trittbrettern des entgegenkommenden Zuges wurden von den Stangen erfasst und stürzten zwischen den Zügen auf die Gleise, einige wurden von Fallenden mitgerissen. 18 Menschen starben sofort, die Zahl der Toten stieg in den folgenden Tagen auf 45, weitere etwa 50 Menschen wurden schwer verletzt. Der Passagier, der die Stangen mit sich führte, überlebte unverletzt.
Was sonst noch geschah:
5.-8. Februar 1922
Erfolgloser Streik von Arbeitern der Berliner Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke.
1. März 1922
Durch eine neue Satzung wurde die Brandbekämpfung in Groß-Berlin geregelt, es wurden Löschbezirke eingerichtet.
7. Juni 1922
Von Berlin aus wurden erstmals drahtlos Bilder in die USA telegrafiert.
18. Juni 1922
In Berlin fanden die Deutschen Kampfspiele statt. Das nationale Großsportfest diente als Ersatz für den Ausschluss deutscher Sportler von den Olympischen Spielen in Antwerpen. Die Deutschen durften wegen ihrer Rolle im Ersten Weltkrieg nicht daran teilnehmen.
22. Juni 1922
Eröffnung des Volksparks Hasenheide.
24. Juni 1922
Der deutsche Außenminister und jüdische Industrielle Walther Rathenau wurde in der Koenigsallee in Grunewald von Rechtsradikalen erschossen. Die Tat wurde verübt von Mitgliedern der rechtsradikalen Organisation Consul. Insbesondere nach Unterzeichnung des Vertrags von Rapallo war Rathenau rechtsradikalen und antisemitischen Hetzkampagnen ausgesetzt. Der Industrielle, Schriftsteller und liberale Politiker (DDP) hatte sich für einen Siegfrieden eingesetzt, bei dem die deutsche Republik als Verlierer des Ersten Weltkriegs kein Mitspracherecht hatte.
Über 400.000 Menschen demonstrierten danach in Berlin gegen das Attentat und für den Schutz der Republik.
27. Juni 1922
Bei einem Unglück auf der Ringbahn zwischen den Bahnhöfen Gesundbrunnen und Schönhauser Allee kamen 45 Menschen ums Leben.
3. Juli 1922
Rechtsradikaler Mordanschlag auf Maximilian Harden, der seit 30 Jahren die Wochenzeitung Die Zukunft herausgab. Er überlebte schwerverletzt.
28. Juli 1922
Kraftfahrzeuge durften nun nicht mehr durch den Grunewald fahren.
9. November 1922
Die erste Berliner Ortsgruppe der NSDAP gründete sich in der Yorckstraße in Kreuzberg.
5. Dezember 1922
Gründung der Internationalen Arbeiter-Assoziation auf einem Kongress von Vertretern anarcho-syndikalistischer Organisationen aus 13 Ländern.
27. Dezember 1922
Der erste Flug eines deutschen Verkehrsflugzeugs nach England begann auf dem Flughafen Staaken mit einer einmotorigen Dornier Komet II.


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