Wegen ausbleibender Reparationszahlungen aufgrund des Ersten Weltkriegs besetzten französische und belgische Soldaten im Januar das Ruhrgebiet. Die deutsche Regierung rief zum passiven Widerstand auf, was die Wirtschaft stark schwächte. Um den streikenden Arbeitern im Ruhrgebiet zu helfen, druckte der Staat immer mehr Geld. Im Herbst 1923 kostete ein US-Dollar Milliarden und später Billionen Mark. Die Bürger mussten Geld in Schubkarren transportieren.
Das Jahr 1923 war in Berlin wie im gesamten Deutschen Reich geprägt von dieser extremen Hyperinflation und Hungerkrawallen, aber auch dem Höhepunkt politischer Radikalität und antisemitischen Ausschreitungen. Die Einführung der Rentenmark im November läutete das Ende der Inflation ein.
Berlin erlebte den Zuzug Hunderttausender Exilrussen vor allem nach Charlottenburg, das zeitweise den Spitznamen Charlottengrad trug.
Was sonst noch geschah:
23. Januar 1923
Ein Deckeneinsturz bei Umbauarbeiten im Rudolf-Mosse-Gebäude in der Schützenstraße forderte 13 Tote und zahlreiche Verletzte.
26. Februar 1923
Gründung der Berliner Hafen- und Lagerhaus A.G. (BEHALA), die Verwaltungsgesellschaft aller Berliner Hafenanlagen.
25. April 1923
Das 1922 veröffentlichte satirische Mappenwerk Ecce Homo von George Grosz wurde wegen „unzüchtiger Darstellungen“ beschlagnahmt.
27. Mai 1923
Eröffnung des Volksparks und der Badeanstalt Jungfernheide.
1. Juni 1923
Das neue Mieterschutzgesetz stärkte erstmals die Rechte der Wohnungsmieter.
8. Juli 1923
Notlandung eines Kleinflugzeugs auf der Straße Unter den Linden aufgrund eines Motorschadens.
25. August 1923
Die letzten Pferdeomnibus-Linien wurden motorisiert.
3. September 1923
Einweihung des ersten Teils des Westhafens mit vorerst zwei Hafenbecken.
8. September 1923
Als Folge der Inflation stellte die Berliner Straßenbahngesellschaft ihren Betrieb ein.
21. September 1923
Inflationsbedingt wurde in Berlin erstmals eine Geldnote über eine Milliarde Mark in Umlauf gebracht.
26. September 1923
In Berlin kostete ein Laib Brot zehn Millionen Mark; ein Kilo Rindfleisch wurde für 76 Millionen Mark verkauft.
8. Oktober 1923
Eröffnung des Flughafens Tempelhof als damals größter Flugplatz der Welt. Bei seiner Schließung war es der älteste Flughafen der Welt.
24. Oktober 1923
In der ganzen Stadt kam es zu Krawallen, weil die Brotpreise nicht mehr zu bezahlen waren. Am Alexanderplatz beteiligten sich über 1.000 Frauen an den Ausschreitungen.
29. Oktober 1923
Im Vox-Haus in der Potsdamer Straße in Tiergarten begannen offiziell regelmäßige Radioübertragungen. Es war der Beginn des Rundfunks in Deutschland.
31. Oktober 1923
Die Reichs-Telegraphenverwaltung erteilte dem Moabiter Tabakwarenhändler Wilhelm Kollhoff die erste Genehmigung für den privaten Betrieb eines Rundfunkempfängers.
5. November 1923
Im Scheunenviertel in Mitte kam es zu schweren antisemitischen Krawallen und gewaltsamen Ausschreitungen gegen jüdische Bewohner, die als „Ostjuden“ beschimpft wurden. Vor allem arbeitslose Jugendliche zerschlugen die Schaufenster von Geschäften jüdischer Eigentümer.
9. November 1923
Adolf Hitler verkündet im Münchener Bürgerbräukeller die „nationale Revolution“, erklärte die bayerische Regierung für abgesetzt und proklamierte den „Marsch auf Berlin“. Die Landespolizei schlug den Putsch an der dortigen Feldherrnhalle gewaltsam nieder. Die NSDAP wurde verboten. In Berlin wurde der erste deutsche Rundfunkbericht über Hitlers gescheiterten Putsch ausgestrahlt.
15. November 1923
Einführung der Rentenmark, nachdem die Mark durch die Inflation wertlos geworden war.


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