Mein Job bei Hellweg

Der Baumarkt Hellweg wird noch in diesem Jahr abgewickelt, der Konzern ist bankrott. Anders als viele andere Filialen wird die in der Ellen-Epstein-Straße jedoch nicht geschlossen, sondern von der Firma OBI übernommen. Ein Gespräch mit einer/einem Angestellten (die Person möchte anonym bleiben). Die Antworten wurden zu einem gemeinsamen Text zusammengefasst.

Ich bin jetzt schon einige Jahre bei Hellweg. Vorher war ich in einer anderen Filiale, jetzt aber schon länger hier in Moabit. Die Arbeit ist okay, wenn man von dem üblichen Stress absieht. Kunden sind immer wieder unzufrieden, wenn sie gerade keinen Kollegen finden, der sie beraten kann. Aber wir sind leider nicht so viele hier, deshalb dauert es manchmal ein paar Minuten. Und dann beschweren sie sich. Daran habe ich mich aber gewöhnt und versuche, sie trotzdem freundlich zu behandeln. Ich kann es ja auch verstehen. Aber leider nicht ändern.

Als wir vor einigen Monaten die Nachricht bekommen haben, dass Hellweg wohl pleite ist, war das ein Schock. Man weiß ja nie, wie es weitergeht und ob man irgendwo eine neue Arbeit findet. Insgesamt entwickelte sich in der Belegschaft eine richtige Untergangsstimmung. Manche waren optimistisch, aber fast alle eher bedrückt. Besonders die Älteren, die woanders vielleicht keine neue Anstellung finden würden.

Die meisten von uns haben sich schon woanders beworben, teilweise mit Erfolg. Sie sind jetzt weg oder arbeiten nur noch ein paar Tage hier.
Ich habe auch ein paar Bewerbungen geschrieben und hatte bereits ein Vorstellungsgespräch in einer Boutique. Aber das gefiel mir nicht. Vor allem, weil ich ja auch gerne mit den Kollegen hier zusammenarbeite.

Vor Kurzem kam dann die Nachricht, dass unsere Filiale nicht geschlossen werden soll, sondern an OBI verkauft wird. Zuerst war es kurzzeitig nur ein Gerücht, aber inoffiziell wurde es schon bestätigt. Allerdings dauerte es noch ein paar Tage, bis wir die Nachricht bekamen, die für uns wichtig war: Fast alle Angestellten werden wohl von OBI übernommen. Das war zwar erstmal eine Erleichterung, allerdings wissen wir bis heute nicht, ob wir auch an diesem Standort weiterarbeiten oder woandershin versetzt werden. Auch über das Gehalt haben wir bisher keine verbindliche Zusage bekommen. Aber wenigstens ist der Job gesichert. Das ist eigentlich das Wichtigste.

Wahrscheinlich wird in den nächsten Monaten eine Menge Arbeit auf uns zukommen. Alles ausräumen, dann neue Ware einräumen, das Sortiment ändert sich ja auch. Das alles wird bestimmt anstrengend, aber trotzdem bin ich sehr froh, dass ich mir keine neue Arbeit suchen muss.

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