Vorgestern trat im Landtag von Thüringen jemand auf, den man dort nicht erwartet: Der Entertainer, Schauspieler und Buchautor Hape Kerkeling. Anlass war die erste öffentliche Anhörung von Experten in einem deutschen Parlament über ein AFD-Verbot. Der Künstler war jedoch nicht als Experte eingeladen, der er von beruflicher Seite her auch nicht ist. Er berichtete jedoch, dass sein Großvater während der NS-Diktatur 12 Jahre lang in Konzentrationslagern gesessen hat, darunter auch drei Jahre im thüringerischen Buchenwald. Dies machte ihn zum Betroffenen. Und dass er von der derzeitigen politischen Situation betroffen ist, war nicht zu übersehebn.
„Angst, Lügen und Hass waren die Zutaten der nationalsozialistischen Ideologie – und sie sind es heute für die Marschrichtung dieser rechtsextremen Partei.“
Der knapp achtminütige Vortrag von Kerkeling war inhaltlich überzeugend, vor allem aber sehr bewegend. Er machte deutlich, dass er die AFD als eine Partei ansieht, die nicht nur rassistisch und undemokratisch ist, sondern die bestehende Demokratie abschaffen will.
Als Einziger in der zehn Stunden dauernden Aussprache erhielt Hape Kerkeling nach seinem Vortrag Applaus. Die Reaktion der AFD-Vertreter ging wie meistens in Richtung mimimi. Heute stellte ein Vertreter der Partei einen Strafantrag gegen Kerkeling wegen angeblicher Volksverhetzung und das öffentliche Verharmlosen von Handlungen aus der NS-Zeit. Begründet wurde der Vorwurf damit, dass die AFD und die NSDAP in seinen Augen gleichgestellt wurden. Dies hat Hape Kerkeling zwar nicht gesagt, aber die Anzeige zeigt deutlich, wie wenig die AFD seinen Argumenten entgegenzusetzen hat.
Es lohnt sich auf jeden Fall, den Redebeitrag von Hape Kerkeling anzuschauen:

Kerkeling ist offensichtlich nicht mehr ganz bei Trost.