Entstehung von Leipziger und Potsdamer Platz

Leipziger und Potsdamer Platz sind bereits seit 270 Jahren ein Verkehrsknotenpunkt. Auf Weisung von König Friedrich Wilhelm I. wurde die Friedrichstadt, die sich rund um die Friedrichstraße befand, nach Süden und Westen hin erweitert. An der Stelle des heutigen Leipziger Platzes wurde das “Oktogon” (Achteck) errichtet als einer von drei Plätzen mit geometrischer Grundformen. Die beiden anderen waren das Rondell am Belle-Alliance-Platz am Halleschen Tor sowie das “Quarree” am Brandenburger Tor.
Das “Octogon am Potsdamer Thor” wurde zur Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig in “Leipziger Platz” umbenannt. Hier an der Stadtmauer war der Endpunkt der “Alten Leipziger Straße”. Nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel entstand auf dem Platz 1824 das neue Potsdamer Tor in Form von zwei Häusern mit vorgestellten viergliedrigen Säulenreihen. Die neuen, etwas stadteinwärts errichteten Torhäuser im griechischen Stil ersetzten das alte Stadttor, das lediglich aus zwei Säulen bestand. Anstelle des alten Tores wurde eine Grünanlage angelegt, ein Empfangssalon für die in die Stadt kommenden Besucher. Auf dieser Fläche kreuzten sich der stadtauswärts führende Weg mit dem, der außen an der Stadtmauer entlang führte. 1831 erhielt diese Kreuzung offiziell den Namen “Potsdamer Platz”.
Zu diesem Zeitpunkt war der Leipziger Platz noch spärlich bebaut, nur kleine Wohnhäuser säumten seinen Rand. Erst in den 1840er Jahren wurden immer mehr repräsentative Gebäude errichtet, Palais der Reichen und Adligen wie das des Admirals Prinz Adalbert. An der Südseite entstand zudem das Preußische Ministerium für Landwirtschaft, an der nördlichen Seite die Kaiserliche Admiralität, das Reichsmarineamt.
Nach dem Abriss der Stadtmauer Ende der 1860er Jahre blieben nur noch die beiden Torhäuser stehen. Seiner trennenden Grenze beraubt entstand so der Doppelplatz, genau genommen ein Platz mit vorgelagerter Kreuzung, wie wir ihn heute noch kennen.
Der Bau des Kaufhauses Wertheim von Alfred Messel, 1905 an der nördlichen Ecke zur Leipziger Straße fertiggestellt, zerstörte das Gesamtbild des Leipziger Platzes. Der mehrere Grundstücke umfassende Komplex beherrschte fortan den Platz. Immer wieder wurden in der Folgezeit die Nachbargebäude abgerissen, um den Wertheimbau zu erweitern. So fiel z.B. 1925 auch das Marineamt einem Kaufhausanbau zum Opfer. Daneben entstanden ab den 80er Jahren das Palais des Groß-Verlegers Rudolf Mosse, die Zentrale der “Großen Berliner Straßenbahn” sowie das Hotel Fürstenhof und das Palast-Hotel. Der Zeit gemäß wurden auch noch Standbilder aufgestellt, bald waren es zehn Denkmäler und Figurengruppen, die den Leipziger Platz bevölkerten.

Der Potsdamer Platz entwickelte sich durch das rasante Wachtum Berlins während der Gründerjahre zum verkehrsreichsten Ort der Reichshauptstadt. Zusätzlich wurde der Verkehr durch Verbreitung des Automobils um die Jahrhundertwende auch noch beschleunigt, bald war es für Fußgänger lebensgefährlich, den Platz zu überqueren. Deshalb wurde 1924 hier mit dem Verkehrsturm die erste Ampel Deutschlands errichtet. Die waagerecht angeordneten elektrischen Lichter regelten, von welcher Seite aus Straßen- und Schienenfahrzeuge auf die Kreuzung fahren durften. Allerdings stand der Turm nur elf Jahre. Als 1935 das gesamte Areal für den Bau der Nordsüd-S-Bahn aufgerissen wurde, verschwand auch der Verkehrsturm.

Außer einer Kopie des Turms ist heute von alldem nichts mehr zu sehen. Während des Krieges wurden bereits zahlreiche Gebäude beschädigt oder zerstört, ab Februar 1945 waren alle Häuser Ruinen. Mit der Teilung der Stadt verlief die Grenze quer über den Potsdamer Platz, so dass die DDR-Regierung alle noch stehenden Gebäudereste am Leipziger Platz abreißen ließ. Es entstand für 28 Jahre die größte innerstädtische Sandfläche.
Mit dem Ende der Teilung kam das zweite Leben des berühmten Doppelplatzes, von dem aber meist nur der Potsdamer Platz im Rampenlicht steht. Dabei ist er – im Gegensatz zum Leipziger Platz – auch heute vor allem nur eines: Eine große Straßenkreuzung.

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