Discothek SOUND

Das SOUND in der Genthiner Straße 26 hatte seine beste Zeit in den 1970er Jahren. Aus ganz West-Berlin kamen die Jugendlichen in die umgebaute Tiefgarage, viele waren weit jünger als eigentlich erlaubt. Das lag sicher auch daran, dass die Discothek bereits um 19 Uhr öffnete. Das Sound galt damals als die modernste Disco überhaupt, es gab Laserprojektionen und eine Nebelmaschine und es wurde viel mit Videotechnik experimentiert. Das SOUND verfügte über ein kleines Kino, in dem aktuelle und auch Klassiker-Kinofilme gezeigt wurden, in einem Videoraum konnte man auf Monitoren die damals aktuellen TV-Programme und Videoaufzeichnungen sehen.
Im SOUND wurde Progressive Rock und auch viel experimentelle Musik gespielt. Neben aktueller Musik traten auch Musiker und Gruppen live auf.

Nach Veröffentlichung des Buchs und Films »Wir Kinder vom Bahnhof Zoo« von Christiane F., die teilweise im SOUND spielten, kamen immer mehr auch westdeutsche Jugendliche, die auf Klassenfahrt in Berlin waren. Viele von ihnen wurden von den Stammbesuchern beklaut und beraubt, so dass sie das wahre Flair der Mauerstadt kennen lernten. Aber das SOUND hatte aufgrund seines progressiven Musikangebots auch prominente Freunde, David Bowie, Mick Jagger oder Iggy Pop gehörten zu den Besuchern.

Trotz mehrerer Gegenmaßnahmen gab es im Sound ständig Probleme mit dem Drogenkonsum, vor allem mit Heroin. Nach etlichen Razzien und einer massiven Pressekampagne u.a. wegen der Prostitution von Mädchen und Jungs direkt vor der Tür, wurde die Discothek Ende der 1970er Jahre geschlossen. Zwar gab es in der Folge mehrere Versuche, das SOUND an anderer Stelle neu zu eröffnen, aber das war nie erfolgreich.

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4 Kommentare

  1. Das Sound wurde nicht Ende der 70er Jahre geschlossen,sondern endgültig 1987.Es wurde zwar zwischendurch mal geschlossen,dann aber wiedereröffnet und zwar 1982.1987 ist es wegen Brandstiftung dann endgültig geschlossen worden.

  2. An die Zeit im Sound (1975-1981 mit Unterbrechungen) erinnere ich mich gerne. An das Kino, den Raum mit den DIN-Buchsen an denen ich mit meinem AKAI Tonbandgerät einige Bänder Musik aufgenommen habe. Und natürlich die Tanzfläche mit den umgebauten Farbfernsehern auf denen die gerade gespielte Musik wie auf einem Oszilloskop dargestellt wurde. Rückblickend war das Sound für mich einer der sichersten Orte in Berlin. Mir ist nichts geklaut worden und es gab auch sonst kaum Ärger.
    Die David-Bowie-Dominanz im Film über Christiane F. halte ich für ein Verhandlungsergebnis um David Bowie für die Mitwirkung zu begeistern. Time Robber von OMEGA wurde auch des öfteren gespielt – nun hört meine Tochter was im Sound gespielt wurde. Ein Teil meiner Vinyl-Platten habe ich gekauft weil ich die Musik im Sound gehört habe.
    Nach meiner Zählweise waren 2/3 “Konsumenten”, die Streetworker meinten das Verhältnis Konsumenten/Nicht-Konsumenten sei 80/20%. Kommt drauf an wie streng man bewertet.

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