Als Junge im Gaykino

Ich war 14 oder 15 Jahre alt, als ich merkte, dass mich Jungs mehr interessieren als Mädchen. So um das Jahr 1980 herum, war es für einen jungen Schwulen nicht leicht, Kontakte zu finden. Also stromerte ich herum. Ich hatte gehört, dass es rund um den Stuttgarter Platz Sexkinos gibt, in die man einfach rein gehen könnte. Dort wurden natürlich Pornos mit Frauen gezeigt, aber ich spekulierte darauf, dass darin auch nackte Männer zu sehen sein würden. In der Kantstraße kam ich an einem blickdichten Laden vorbei, der anscheinend für schwule Männer war. Man konnte von außen rein schauen, gleich hinter dem Eingang waren Kabinentüren zu sehen. In diesem Moment ging eine auf, ein Mann kam heraus und direkt auf mich zu. Ich trat zur Seite, er grinste mich an und ging weiter. Seine Kabinentür blieb offen stehen.

Jetzt hätte ich einfach rein gehen könnten, aber dafür reichte mein Mut noch nicht. Zumal es mir peinlich war, dass Passanten genau sehen konnten, dass ich durch den Fadenvorhang in den Laden schaute. Auf keinen Fall sollten sie mich auch noch beim Betreten des Laden sehen. Also ging ich ein paar Meter Richtung Krumme Straße, drehte dann wieder um. Ich war aufgeregt, ängstlich, gleichzeitig aber fasziniert. Was würde mich da drin erwarten? Meine Fantasie ging mit mir durch. Gäbe es hinter den Türen Gruppen von nackten Männern, die es miteinander treiben? Dürfte ich einfach nur zuschauen oder müsste ich mitmachen? Dafür fühlte ich mich nicht bereit. Oder sitzen dort etwa finstere Typen, die nur auf einen Frischling wie mich warteten und mich dann vergewaltigen? Aber vielleicht ist da auch mein Traumprinz drin, der wunderschön aussieht, mich zärtlich umarmt, mich küsst und langsam auszieht? Ich würde es nie erfahren, wenn ich es nicht versuche.

Von außen konnte ich sehen, dass in der Kabine noch ein Fernseher lief, offenbar hatte der Mann zu viel Geld eingeworfen und war fertig, bevor der Film vorbei war. Mein Herz klopfte wie verrückt, aber die Neugier siegte. Nun war ich schon bis zu diesem Punkt gekommen, jetzt wollte ich es auch wissen.
Vorsichtig betrat ich den Laden. Eine Kontrolle gab es nicht, dabei war ich noch längst nicht volljährig. Um mich herum war es halbdunkel, aus mehreren Kabinen hörte ich Geräusche, Stöhnen vor allem, aus den Filmen, die dort liefen. Weiter hinten sah ich sowas wie einen Kinoraum, aber so weit rein traute ich mich nicht.

Schnell ging ich in die offene Kabine und schloss die Tür hinter mir. Da lief auf dem Schwarz-weiß-Monitor der erste schwule Porno, den ich je sah. Ansonsten war es recht dunkel und es roch merkwürdig. Anstatt mich erstmal in der Kabine umzuschauen, sah ich nur auf den Bildschirm und wurde sofort erregt. So bemerkte ich nicht, wie durch ein Loch aus der Nebenkabine eine Hand kam, die mich an der Hose berührte und versuchte, meinen Reißverschluss zu öffnen. Ich bekam den Schreck meines Lebens, ging sofort einen Schritt nach hinten und starrte auf das Loch. Die Hand verschwand, stattdessen erschien nun das Gesicht eines älteren Mannes. Er legte dann zwei Finger in das Loch, mir war damals nicht klar, was diese Geste zu bedeuten hatte. Der Schreck aber hatte meine Erregung auf Null runter gedreht. Ich schloss die Tür auf und machte, dass ich raus kam.

Erst unterwegs merkte ich, dass ich die Erfahrung, von einem anderen so berührt zu werden, gar nicht so schlecht fand. Ich nahm mir vor, demnächst wieder dort hinzugehen und dann den nächsten Schritt zu machen. So kam es auch. Allerdings fand ich kurz danach meinen ersten Freund und der Laden in der Kantstraße war für mich Geschichte. Irgendwann war er dann geschlossen, heute ist darin ein ganz normales Geschäft.

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