Landwehr-Kasino

Die Jebens­straße hinter’m Bahn­hof Zoo wird heute eher bestimmt vom Elend der Obach­lo­sen rund um die Bahn­hofs­mis­sion, als von der Geschichte des Ortes. Doch genau gegen­über der Mission steht mit der Jebens­str. 2 ein Gebäude mit sehr leben­di­ger Geschichte.

1909 wurde es als luxu­riö­ses Kasino des “Offi­ziers­corps der Land­wehr-Inspek­tion Berlin” in Anwe­sen­heit von Kaiser Wilhelm II. eröff­net. Es gab einen klei­nen Fest­saal, ein Restau­rant, einen Fecht­saal, Kegel­bah­nen und Schieß­stände. Das Herz­stück des Gebäu­des war jedoch der 660 Quadrat­me­ter große Kaiser­saal mit einer Tonnen­de­cke in 11,40 Metern Höhe. Entge­gen des rela­tiv schlich­ten Äuße­ren entfal­tete das Land­wehr-Kasino innen eine wahre Pracht.
Über dem Mittel­teil des Gebäu­des thront ein großer Spitz­gie­bel mit der Inschrift “UNTER DER REGIE­RUNG WILHELMS II. DEUT­SCHEN KAISERS KOENIGS VON PREUS­SEN ERB. V. D. KAME­RAD­SCHAFTL. VEREI­NI­GUNG D. OFFIZ. D. LAND­WEHR INSP. BERLIN MCMIX”.

Während des 1. Welt­kriegs diente das Land­wehr-Kasino als Laza­rett, hunderte Kriegs­ver­sehrte lagen im Kaiser­saal in Feld­bet­ten.
Ab 1920 wurde der große Saal zu einem Thea­ter für 750 Zuschauer ausge­baut. Dort gab es mehrere Urauf­füh­run­gen von Operet­ten. Doch das “Neue Thea­ter am Zoo” wurde verspot­tet als “Unter­hal­tungs­bühne für Höhere Töch­ter”. 1929 wurde es in “Deut­sches Volks­thea­ter” umbe­nannt, aber es schrieb rote Zahlen und konnte sich nie gegen Häuser wie dem nahen Thea­ter des Westens durch­set­zen.
1937 erfolgte wieder ein Umbau, zurück zu einem Fest­saal.

Während des 2. Welt­kriegs gab es massive Zerstö­run­gen, erst 1954 konnte das Haus wieder eröff­nen, als Kunst­bi­blio­thek und Museum.
Von 1978 bis 1986 nutzte die Berli­ni­sche Gale­rie das Gebäude für Ausstel­lun­gen. Mit dem Bezug des Neubaus der Kunst­bi­blio­thek 1993 am Kultur­fo­rum wurde das eins­tige Kasino nur noch als Depot und Werk­statt vom Museum Euro­päi­scher Kultu­ren und der Alten Natio­nal­ga­le­rie gebraucht.

Seit 2004 befin­det sich hier das Museum für Foto­gra­fie, eine Einrich­tung der Staat­li­chen Museen Berlin der Stif­tung Preu­ßi­scher Kultur­be­sitz. Das Haus ist jetzt als Ausstellungs‑, Forschungs- und Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum für das Medium Foto­gra­fie konzi­piert.
Wich­tigs­ter Nutzer ist die Samm­lung der Helmut-Newton-Stif­tung. Newton selber hatte noch kurz vor seinem Tod die Verein­ba­rung geschlos­sen, in den Räumen wech­selnde Ausstel­lun­gen zu seinem Werk zu zeigen.

Am ande­ren Ende der Straße zieht sich der Yva-Bogen an der Stadt­bahn bis zur Kant­straße durch. Yva war der Künst­ler­name der Mode­fo­to­gra­fin Else Ernes­tine Neulän­der, bei der Helmut Newton (damals noch Helmut Neustäd­ter) ab 1934 als 16-Jähri­ger seine Foto­gra­fen­lehre absol­vierte, bis er Deutsch­land aufgrund der Verfol­gung durch die Nazis verlas­sen musste. Yva wurde 1942 im KZ Sobi­bor ermor­det.

Foto: A.Savin, Wiki­pe­dia

Wiki­me­dia Commons, CC BY-SA 4.0
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